Vierte reise

"Wisset, ihr edlen Herren,daß meine vierte Reise einzigartig ist und ohnegleichen. Wieder war ich auf dem Meere. Meine ruchlose Seele mußte mit dem Seeteufel ein Bündnis geschlossen haben; er hatte mich wieder hinausgezogen, um mit mir in seinen unberechenbaren Launen weiterhin Schindluder zu treiben. In guter Fahrt ging es eine Reihe von Tagen, bis ein gewaltiger Sturm über uns hereinbrach, der unser Schiff zerschlug und die Trümmer wie ein Klafter Kleinholz auf eine Insel warf. Bild 14. Der blaue MenschenfresserDie meisten der Kaufleute waren mit ihrem Hab und Gut im Meer versunken. Ich selbst schwamm fast einen ganzen Tag im Wasser, bis Gott, der Erhabene, mir mit drei anderen Leidensgefährten Gelegenheit gab, festes Land zu erreichen. Um unseren letzten Lebenshauch festzuhalten, ernährten wir uns eine Zeitlang von spärlichem Gras. Der Aufenthalt auf dieser Insel brachte keine Hoffnung auf Rettung, sondern nur neues Verhängnis. Wir fielen in die Hände von riesigen Gorilla-ähnlichen Geschöpfen, die Menschenfresser waren und sich mit einem wahren Heißhunger auf uns stürzten. Ich mußte zusehen, wie meine Gefährten am Spieß geröstet wurden; doch als die haushohe Hand eines dieser Ungeheuer nach mir greifen wollte, merkte ich zum erstenmal in meinem Leben, daß ich ein ausgezeichneter Läufer war. Als ich einen ganzen Tag gelaufen war, setzte ich mich atemlos auf einen Felsen und stellte erleichterten Herzens fest, daß mir meine Flucht gelungen war.

Im Tale vor mir erblickte ich nun zu meinem größten Erstaunen eine große Stadt mit Zinnen und Türmen, die ein fremdartiges Gepräge trug.Schon kamen mir einige Menschen entgegen, die schwarz wie die Mohren und vermummt in weißen Tüchern wie Beduinen aussahen. Sie führten mich zu ihrem König, der ein gütiger Herrscher war. Bild 15. Sindbad wird verlobtSeine Sprache verstand ich nicht; aber ein Dolmetscher machte mir verständlich, daß dieser Herrscher über die Maßen erfreut sei, mich kennengelernt zu haben, und mich auf alle Zeiten als seinen Freund betrachten wolle. Ja, daß die Ehrung, die er mir zudachte, noch eine viel größere sei; er habe, so machte man mir plausibel, den Wunsch, mich als leibhaftigen Schwager zu beglückwünschen. Die Schwester des Königs, eine alte Vettel, die so dick war, daß sie einer riesigen überreifen Birne glich, sollte meine Frau werden. Ich sagte zu allem Ja und Amen, machte mich aber bei der ersten besten Gelegenheit aus dem Staube. Heimlich bestieg ich ein Schiff, nahm alle Schätze mit, mit denen man mich überhäuft hatte, und konnte nach vielen Irrfahrten mein Heimatland wieder erreichen."

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