Siebente reise

"Nach meiner Heimkehr von der letzten abenteuerlichen Reise befand ich mich wohlgeborgen auf meinen Gütern und im Kreise meiner Freunde. Meine edlen Herren, ich hatte nicht die Absicht, noch einmal in meinem Leben eine Reise anzutreten. Da wurde ich eines Tages zum Sultan Harun-al-Raschid gerufen. Als sein Gesandter sollte ich einem berühmten indischen Fürsten ehrenvolle Geschenke überbringen. Mein Widerstreben half nichts, ich mußte wieder in See stechen! Diesmal schien es, als sollte die Reise ruhiger von statten gehen. Von dem indischen Fürsten verehrt und reich beschenkt, trat ich die Rückfahrt an, aber unterwegs wurden wir von Seeräubern überfallen, übermannt und sämtlich als Sklaven verkauft.Mich kaufte ein afrikanischer Handelsherr, der ein großer Liebhaber der Jagd war. Bild 22. Die klugen ElefantenSo mußte ich ihn eines Tages auf einer Elefantenjagd begleiten. In der Spitze eines Baumes sollte ich warten und vorüberkommende Elefanten den andern Sklaven durch Geschrei entgegentreiben. Es war schon eine lange Zeit verstrichen, da erzitterte auf einmal die Erde und eine Herde von hunderten von Elefanten kam dahergetrampelt. Ich entging ihren Blicken nicht, und zu meinem Schrecken gewahrte ich, daß die Tiere den Baum loswühlten, auf dem ich saß. Schnell sprang ich zu Boden, um nicht von dem Stamme erschlagen zu werden. Jetzt fühlte ich mich erfaßt. Ein Elefant hielt mich gepackt und - hob mich ganz sacht auf seinen Rücken. Dann begann ein rasender Galopp, die ganze Herde hinter mir her. Gegen Abend kamen wir an einen großen freien Platz. Abermals wurde ich von dem Rüssel meines riesigen Reittieres erfaßt und sanft zu Boden gesetzt. Ringum bemerkte ich staunend das schönste Elfenbein; daneben lagen die Gerippe verendeter Elefanten. Die klugen Tiere hatten mich also hierhergeführt, um mir diesen Schatz zu zeigen; sie hofften dadurch unserer ferneren Verfolgung zu entgehen. Ich ging nun zurück, erzählte meinem Herrn von dem Fund, der auch bald geborgen wurde. Zum Dank gab er mich frei und entließ mich reich beschenkt in die Heimat."

Sindbad, der Packträger, aber sah jetzt ein, daß der Erzähler nicht nur des Lebens Süßigkeiten, vielmehr des Daseins Bitternisse in reichlicher Fülle genossen hatte, bevor er in diesem Reichtum, in dem er sich an seinem Lebensabend befand, in wirklicher Beschaulichkeit Ruhe finden konnte. Von dieser Stunde an wurden der arme und der reiche Sindbad Freunde. Der alte Seefahrer ließ den Packträger an seinem Wohlstande teilnehmen und so lebten beide noch lange Jahre glücklich miteinander.

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